
Liebe Barbara, seit wann singst du im Domchor und wie bist du hierhergekommen?
Ich singe seit November 2007 im Domchor. Erste Chorerfahrung sammelte ich im Singkreis in Tisis, nach der Teilnahme an der diözesanen Werkwoche im Sommer 2007 wollte ich gerne öfter große Orchestermessen singen. Ich habe Irmgard Kügler, die ich aus Tisis kannte angesprochen, ob ich probeweise zum Mitsingen kommen darf.
Wann hast du die „Obfrauschaft“ übernommen und was hat sich seither verändert?
Bei der JHV im Februar 2014. Seither hat sich viel im Domchor getan. Wir veranstalten seit damals regelmäßig einmal im Jahr, zusätzlich zu unseren vielen liturgischen Einsätzen, ein Kirchenkonzert im Dom. So wird der Chor für die Kirchenbesucher auch sichtbar, weil wir beim Konzert vorne im Altarraum singen. In den Gottesdiensten singen wir auf der Empore und sind „nur“ hörbar.
Unsere Konzerte sind mit einem großen Arbeitsaufwand verbunden, aber im Chor gibt es eine sehr große Bereitschaft mitzuarbeiten und Aufgaben zu übernehmen. Die Konzerte sind wichtiger Ansporn, auf hohem musikalischem Niveau zu musizieren und trugen bzw. tragen maßgeblich dazu bei, die Qualität des Domchors kontinuierlich weiterzuentwickeln. Die Konzerte sind auch unsere beste Werbung, um neue Mitglieder für uns zu begeistern.
Seit ich beim Chor bin, hat die Bereitschaft der Sängerinnen und Sänger stark zugenommen, sich auch außerhalb der Probenarbeit mit der Literatur zu beschäftigen und eigenständig zu üben. Der Anteil der Mitglieder, die Gesangstunden nehmen und/oder zusätzlich in Projektchören mitsingen ist beachtlich. So gelingt es uns mittlerweile das Favorit Ensemble des Domchors, die Capella St. Nikolaus, großteils mit Sängerinnen und Sängern aus den eigenen Reihen zu besetzen.
Sehr stolz bin ich darauf, dass wir ein hervorragendes Vorstandsteam haben, in dem jeder seine Talente für den Chor miteinbringt. Damit der Chor gut läuft, benötigt es eine Menge an Arbeit im Hintergrund. Wir haben eine geniale chorinterne Homepage, auf der alle Termine, Übehilfen, Aufnahmen und eine wunderbare Fotosammlung für Chormitglieder zugänglich sind. Ein Quantensprung ist uns mit unserem neuen Corporate Design gelungen, nicht nur sämtliche Plakate, Programmflyer sind nun grafisch sehr ansprechend mit hohem Wiedererkennungswert gestaltet, auch die Homepage der Dommusik ist endlich neu aufgesetzt. Viel Arbeit leisten auch unsere Notenwarte, die sämtliche Noten archivieren, alte Eintragungen ausradieren und das benötigte Notenmaterial jeweils in die Proben mitbringen.
Im Vergleich zu anderen Kirchenchören hat der Domchor eine recht gesunde Altersstruktur. Immer wieder kommen neue Sängerinnen und Sänger in den Chor. Wo findest du diese?
Das Anwerben neuer Mitglieder gelingt am besten über persönlichen Kontakt. So habe ich z.B. bei Werkwochen immer wieder Leute eingeladen zum Schnuppern zu uns zu kommen. Meinem jetzigen Stellvertreter im Vorstand bin ich zum Beispiel mehrfach bei Gottesdiensten im Dom begegnet und einmal habe ich ihn einfach angesprochen, ob er nicht Interesse hätte bei uns mitzusingen. Wir werden aber auch von Interessenten über unsere, mittlerweile sehr schön gestaltete neue Homepage gefunden. Bei Interessenten frage ich auch nach ihrem Alter, denn um langfristig als Chor gut weiter zu bestehen, brauchen wir immer wieder jüngere Neuzugänge. Chorerfahrung oder zumindest ein musikalische Grundbildung, eine schöne Stimme und die Bereitschaft zu regelmäßigem Probenbesuch sind Voraussetzungen, um bei uns mitsingen zu können. Wir freuen uns über entsprechende Interessenten, man darf gerne zum Schnuppern kommen!
Neben dem hohen Qualitätsanspruch liegt dir auch die Chorgemeinschaft sehr am Herzen. Was fördert das Gemeinschaftsgefühl im Chor besonders?
Die gutes Gemeinschaftsgefühl im Chor zu fördern war und ist mir stets ein großes Anliegen. So lade ich nach der Sommerpause zu einem Begrüßungsapero ein, wir veranstalten gemeinsame Hocks nach der Probe und mittlerweile habe ich viele auswärtige Probenwochenenden organisiert, die auch mit einem Kulturprogramm verknüpft waren. All diese Aktivitäten haben uns sehr zusammenwachsen lassen. Aber auch das Zusammenhelfen bei der Veranstaltung unserer Konzerte oder des Keksverkaufs haben die Bindungen der Chormitglieder untereinander gefestigt. Gemeinsames Engagement verbindet. Die gute Stimmung überträgt sich auch auf unsere Stimmen und unseren Gesang!
Ich freue mich sehr darüber, dass zwei sehr attraktive Orte für unsere nächsten Probenwochenenden / Kulturreisen auf uns warten. Heuer im Herbst geht es nach Südtirol ins Schloss Goldrain und nächstes Jahr werden wir unser Probenwochenende in Augsburg abhalten. Wir haben uns letztes Jahr zu Ostern sehr engagiert um die Augsburger Domsingknaben bei ihrem Konzert im Dom gekümmert, zum Dank dürfen wir in Augsburg ihre Probenräumlichkeiten benützen J
Du singst nicht nur im Domchor, sondern auch in anderen Projekten und Ensembles. Was liebst du so an der Chormusik und welche Literatur singst du am liebsten?
Ich habe Freude an der Herausforderung neue Literatur einzustudieren und freue mich darüber mittlerweile viele wunderbare Chorwerke gesungen zu haben. Es ist das Singen in Gemeinschaft mit Menschen, die ich mag, es ist schön sich regelmäßig zum Proben zu treffen. Messen musikalisch mitzugestalten erlebe ich als etwas sehr Erfüllendes. Wahrscheinlich stehe ich aber auch gerne auf der Bühne, Konzerte zu singen macht mir eine große Freude. Dass ich schon viele der großen Haydn Messen gesungen habe und auch seine Oratorien „die Schöpfung“ und „die Jahreszeiten“ freut mich ganz besonders. Als ursprüngliche Salzburgerin habe ich auch einen großen Bezug zu Mozart. Wann immer es mir möglich ist, singe ich bei der alljährlichen Aufführung des Mozart Requiems in Bildstein mit. Eine meiner mittlerweile vielen Sternstunden war es die Schöpfung im Festspielchor mitsingen zu dürfen und Karten dazu meinem Vater zum 90. Geburtstag zu schenken.
Eine alljährliche organisatorische Meisterleistung ist das Konzert der Dommusik, das aufgrund deines enormen Einsatzes auf allen Ebenen zum Erfolg wird und somit viel Freude bereitet! Was motiviert dich, so viele Stunden zu investieren um den Zuhörerinnen und Zuhörern – aber auch dem Chor selber – jedes Jahr so viel Freude zu machen?
Die Konzerte sind in der Tat sehr viel Arbeit, aber wenn dann der Dom bis auf den letzten Platz gefüllt ist, wir Dank der hervorragenden Leitung von unserem Domkapellmeister Benjamin Lack auch noch ein Stückchen über uns hinauswachsen und das Publikum begeistert ist, dann werde ich von einem ganz großem Glückgefühl überschwemmt. Ich spüre dann nicht nur eine unglaubliche Verbindung mit all meinen Chorkollegen, sondern es stellt sich auch ein tiefes Verbundenheitsgefühl mit all unseren Konzertbesuchern ein. Die so stark spürbare Begeisterung und Freude des Publikums und die Freude im Chor und bei den Musikern, wenn uns Sternstunden gelingen, das beseelt mich ganz tief in meinem Herzen.
Ja, und nach dem Konzert ist vor dem nächsten – diesmal ist der Abstand besonders knapp.
Wo siehst du die Herausforderungen, denen sich die Dommusik stellen muss, wenn sie gut in die Zukunft gehen will?
Ich denke, wir sind auf einem sehr guten Weg. Aber einige Themen werden uns ständig begleiten: auf hohem qualitativem Niveau zu musizieren, bedarf des beständigen Bemühens. Immer wieder neue, jüngere Mitglieder für uns zu gewinnen, ist etwas, an dem wir kontinuierlich dranbleiben müssen. Wir haben eine sehr gut entwickelte „Willkommens-Kultur“ bei uns. Viele Neuzugänge der letzten Jahre meldeten mir zurück, wie schön sie es fanden, so schnell und herzlich bei uns aufgenommen worden zu sein.
Die Dommusik ist aber weit mehr als der Domchor. Dass wir uns letzten Sommer eigens einen ganzen Tag Zeit für eine Klausur zum Thema Dommusik genommen haben, war sehr konstruktiv und wir haben viele gute Ideen entwickelt. Wir haben jetzt für die von Johannes kuratierten Konzerte ein größeres Helferteam, die Agapen im Anschluss an die Konzerte kommen auch sehr gut an.
Mit unseren beiden Top Musikern Domorganist Johannes Hämmerle und Domkapellmeister Benjamin Lack, sowie der überaus guten Zusammenarbeit mit der Dompfarre sehe ich der Zukunft der Dommusik sehr optimistisch entgegen.