
Gedanken zur Osterkerze von Rudl Bischof
Diese Osterkerze 2026 trägt als Motiv das Rundfenster von Martin Häusle über dem hinteren Eingang zum Dom. Martin Häusle ist vor 60 Jahren am 10. April 1966 in der Osternacht gestorben, nachdem er noch die Osternacht im Dom mitgefeiert hatte und in einer Laterne das Osterlicht nach Hause trug.
Er gestaltete dieses Fenster zum Thema Schöpfung und das vordere Rundfenster zum Thema Auferstehung. So ist der große Spannungsbogen von der Schöpfung zur Neuschöpfung in der Auferstehung gezogen.
In der Gotik wurden die Eingänge zu den Kathedralen immer figural gestaltet zur Besinnung und Frage: Wer bin ich, wo stehe ich, wo gehe ich hin. Im Feldkircher Dom stellt das Rundfenster über dem Eingang diese Frage: Das Bild der Schöpfung. Hier wird dargestellt, dass der Anfang der Schöpfung Gott ist, der alles werden lässt. Die Sterne, den Mond, die Sonne, die Tiere und den Menschen.
In allem: im Menschen, in Tieren, in Gestirnen, in der Materie liegt göttlicher Anfang. Das Bild erinnert jeden Eintretenden daran, dass er Verantwortung trägt für die Bewahrung dieser Schöpfung. Beim Hereingehen und Hinausgehen, wird diese Frage an alle gestellt.
Diese Schöpfung schenkt aber auch den Trost, dass es in der Auferstehung eine neue Schöpfung gibt. Diese neue Schöpfung wird als Zustand inneren Wandels verstanden, dass ein neues Selbst entsteht oder gestärkt wird, dass, wie Paulus im Korintherbrief schreibt, wer in Christus ist, eine neue Schöpfung geworden ist.
Uns und der ganzen Welt ist Auferstehung verheißen, wenn wir nicht mehr nach alten, todbringenden Mustern, wie Macht, Krieg, Egoismus, sondern nach den neuen, wie Freiheit, Liebe, Miteinander leben. Ist das nicht auch eine Hoffnung für unsere Zeit?
So dürfen wir diese Osterkerze nach Hause nehmen und beim Entzünden an die neue Schöpfung denken, nach der wir uns gerade in Zeiten wie diesen so sehr sehnen.